Vogelgesang

Eine seltsame Begegnung war dass heute im Wald. Vielstimmiges Vogelgezwitscher hallte durch den Wald, geradeso, wie man es aus den Tierfilmen über den Amazonas kennt. (Allerdings war es leider nicht so warm, dafür aber auch nicht so feucht.) Ein Zwitschern, dass an- und abschwellend zu hören war und näher kam, um sich dann zu entfernen und langsam ausklingend zu verschwinden. Merkwürdig war, dass  man kaum einen Vogel sehen konnte, obwohl die Anzahl der Vogelstimmen anderes vermuten ließ und die nicht belaubten Bäume eine gute Sicht boten.

Ehemaliges Männergefängnis Köpenick

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Am vergangenen Wochenende hatte ich die Möglichkeit einen der vielen „Lost Places“ in Berlin zu besuchen: das ehemalige Männergefängnis in Berlin-Köpenick. Hätte die Sonne nicht geschienen, hätte ich die Atmosphäre dort als sehr bedrückend empfunden. Kaum zu glauben, dass die Häftlinge dort ohne Heizung und Toilette (es gab nur einen Eimer) leben mussten. Bekannt geworden ist die Haftanstalt und Folterstätte durch die sogenannte ‚Köpenicker Blutwoche‘ Eine der vielen Terroraktionen der Nazis ’33. 1964 wurde der Zellenbau durch das Fernsehen der DDR übernommen und brachte hier eine Kostümfundus und Schneiderei unter. Seit den 80er Jahren steht das Gebäude leer.

Die Kälte bleibt

Noch immer keine Ahnung von Frühling. Es bleibt so kalt und der bissige Ostwind treibt die Menschen in die Häuser. Kein Krokus und kein Schneeglöckchen zeigt sich, auch sie bleiben noch in ihren geschützten Zwiebeln.

Aber die Sehnsucht nach Wärme nimmt von Tag zu Tag zu und wenn die Sonne einmal scheint, dann halte ich ihr das Gesicht entgegen um die Wärme auf der nicht bedeckten Haut zu spüren, geradeso wie es die Blumen im Sommer machen.

Da passt es doch sehr gut, wenn eine Einladung ins Haus flattert. Eine Feier vertreibt die Kälte, bestärkt die Freundschaft und verkürzt die Zeit, bis man endlich wieder im T-Shirt draußen herumlaufen kann.

Tafeln

Das Essen bei den Tafeln hat nichts mit Tafeltüchern, Tafelsilber und -besteck zu tun. Kein Tisch wird festlich eingedeckt und hübsch geschmückt. Hier gibt es dass, was nicht mehr verkäuflich ist. Nahe am Verfall aber immer noch zum Ge- und Verbrauchen beziehungsweise zum Verzehren. Überlagertes Obst und Gemüse zum kleinen Preis.

Die Menschen, die kommen, sind auf diese Möglichkeit des günstigen Einkaufs angewiesen. Sie haben nicht das Geld und könnten ihr Familien nicht mir einer solchen Menge Obst und Gemüse versorgen, wenn es diese Institutionen nicht gäbe.

Auch Flüchtlingsfamilien haben die Tafeln mittlerweile entdeckt und lernen anhand praktischem Anschauungsmaterials recht schnell die Namen der einzelnen Sorten. Wählerisch sind sie trotzdem und manchmal wollen sie auch handeln, so wie sie es aus ihrer Heimat kennen. Hier sind ihre Chancen aber gering, denn das kleine Geld kommt wiederum den Helfern zugute, die auch nicht gerade wirtschaftlich gut dastehen. Diese müssen sich in Räumen zurechtfinden, die oftmals selbst nahe am Verfall sind. Trotzdem gibt es manchmal Schokolade oder ähnliches für die Kinder oben drauf. Das gab es früher nur in den Tante Emma Läden, im Supermarkt sucht man das heute vergeblich.

Winterspaziergang

Eine fahle Wintersonne bricht durch das Dickicht und beleuchtet die glattgefrorenen Waldwege. Meine Fingerspitzen schmerzen wegen der Kälte und ich muss mich bewegen. Eine seltsame Grundmelodie begleitet mich mit wechselnden Einsätzen. Ich höre das Knarzen der Bäume, die in der trockenen Kälte ihre Äste aneinander reiben. Vogelstimmen in unterschiedlichen Lautstärken sind zu hören und sie werden manchmal vom Tock-tock-tock des Spechtes unterbrochen. Wildgänse am Himmel schreien und erzählen von fernen Gegenden, in die ich mich nur träumen kann. Und während ich gehe, begleiten mich trippelnde Hundeschritte wie eine immerwährende Grundmelodie.

Vorsichtig bewege ich mich auf den gefrorenen, eisglatten Wegen bis ich wieder am Ausgangspunkt angekommen bin. Jetzt freue ich mich auf die Wärme und kehre rotwangig, durchgepustet und gut gelaunt nach Hause zurück. Es wartet eine schöne Tasse Kaffee auf mich.20170202_092353.jpg

Ein langes Leben

Alt bist du geworden und lebens-müde. Dein Wunsch, dass dein Leben zu Ende gehen möge, wurde dir vor kurzem erfüllt. Still und allein bist du entschwunden, denn dein Mann ist schon Jahrzehnte vor dir gegangen und Kinder gab es nicht, die dir in den letzten Stunden hätten beistehen können.

Eine schwere Kindheit in den Nachkriegsjahren des Ersten  und ein hartes Leben im 2. Weltkrieg und danach waren dir beschieden. Aufrecht bis zum Schluss bist du durch dein Leben gegangen und hast deinen „Mann“ gestanden, weil das Leben, so wie du es verstanden hast, ausgehalten werden musste. Man kannte dich im Dorf, die Welt aber kannte dich nicht, denn berühmt bist du nicht geworden. Reisen konntest du dir nicht leisten, obwohl du dich manchmal danach gesehnt hast nach Italien an den Gardasee zu fahren. Von der neuen, digitale Welt hast du nicht viel gehalten; Computer, Internet oder Handy waren Fremdworte für dich und haben dich nicht interessiert. Dir hat das Fernsehen und die tägliche Zeitung genügt und bis zum Schluss hast du darin gelesen.

Die Trauergemeinde an deinem Grab wird sehr klein sein, denn viele deiner Bekannten und Freunde sind schon vor dir diesen letzten Weg gegangen. Aber wir werden dort sein und deinen Tod beweinen und unsere Gedanken werden dich auf deinem Weg begleiten.

Sturm

Das ist kein normaler Wind mehr, dass ist ein ausgewachsener Sturm, der in mein Gesicht peitscht und mir die Kapuze vom Kopf zerrt. Ich muss mich umdrehen, weil ich sonst keine Luft zum Atmen bekomme. Die See liegt nicht ruhig und urlauberbereit da, sondern ist rau, aufgewühlt und tosend. Die Gischt sprüht hoch und ich rieche und schmecke den typischen, salzigen Seegeruch. Aber genau, dass ist es, was ich so toll finde und was mich immer wiederkommen lässt.

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Kaufhausimpressionen

  • Geföhnte Luft am Eingang
  • Es ist heiß, wohin mit Mütze, Handschuhen und dicker Jacke?
  • Eine Dame wird in der Parfümerieabteilung geschminkt
  • Volle Rolltreppen; rechts stehen, links gehen
  • Ein Kind im schicken Wollmantel hängt quengelnd am Arm der Mutter, die nur Augen für schöne Hüte hat
  • Männer spielen gelangweilt mit dem Handy
  • In der Lebensmittelabteilung herrscht Gedränge; Luxusgüter aus allen Herren Länder
  • Rolltreppe runter; rechts stehen, links gehen
  • Warm anziehen und schnell durch den Ausgang
  • Tief durchatmen
  • Froh, draußen zu sein